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Kennzahlen in der Krankenhauslogistik: 8 KPIs mit Formeln
Im Krankenhaus muss Material immer da sein – aber jedes zusätzliche Regal bindet Geld und Medizinprodukte können verfallen. Diese acht Kennzahlen zeigen, ob Ihre Versorgung sicher und gleichzeitig wirtschaftlich läuft.
Warum Krankenhauslogistik eigene Kennzahlen braucht
Anders als im Handel geht es nicht um Umsatz, sondern um Versorgungssicherheit: Fehlt ein Katheter auf Station, wartet ein Patient. Gleichzeitig haben viele Artikel ein Verfallsdatum, und Stationen legen gern eigene Reserven an. Gute Kennzahlen machen beide Seiten sichtbar – Fehlmengen und zu hohe Bestände.
1. Lieferbereitschaft
Wie viele Anforderungen der Stationen wurden vollständig und pünktlich geliefert?
Lieferbereitschaft = vollständig und pünktlich gelieferte Anforderungen ÷ alle Anforderungen × 100
2. Fehlmengenquote
Der Anteil der Anforderungspositionen, die das Lager nicht liefern konnte. Sie ist das Frühwarnsignal für Engpässe.
Fehlmengenquote = nicht lieferbare Positionen ÷ angeforderte Positionen × 100
3. Verfallquote
Wie viel Material wird wegen abgelaufenem Datum entsorgt? Eine steigende Quote zeigt zu hohe Bestände oder falsches First-Expired-First-Out.
Verfallquote = Wert verfallener Artikel ÷ durchschnittlicher Bestandswert × 100
4. Reichweite
Für wie viele Tage reicht der Bestand bei normalem Verbrauch? Für kritische Artikel legen Sie eine Mindestreichweite fest, für den Rest eine Obergrenze.
Reichweite (Tage) = aktueller Bestand ÷ durchschnittlicher Tagesverbrauch
5. Lagerumschlag
Wie oft wird der Bestand pro Jahr komplett verbraucht? Ein niedriger Wert bedeutet viel gebundenes Kapital.
Lagerumschlag = Jahresverbrauch (Wert) ÷ durchschnittlicher Bestand (Wert)
6. Bestandsgenauigkeit
Stimmt der Systembestand mit dem Regal überein? Ohne genaue Bestände funktionieren automatische Nachbestellungen nicht.
Bestandsgenauigkeit = korrekt gezählte Positionen ÷ gezählte Positionen × 100
7. Durchlaufzeit Anforderung bis Station
Die Zeit von der Anforderung der Station bis zur Einlagerung im Stationsschrank, gemessen in Stunden. Sie entscheidet, wie viel Reserve die Stationen brauchen.
Durchlaufzeit = Zeitpunkt Lieferung auf Station − Zeitpunkt Anforderung
8. Logistikkosten je Fall
Personal, Transport und Lagerkosten der Logistik, geteilt durch die behandelten Fälle. So werden Häuser und Jahre vergleichbar.
Logistikkosten je Fall = Logistikkosten im Zeitraum ÷ Fallzahl im Zeitraum
Beispiel: ein Monat im Zentrallager
| Kennzahl | Wert im Oktober | Beispielziel |
|---|---|---|
| Lieferbereitschaft | 96,8 % | ≥ 98 % |
| Fehlmengenquote | 1,9 % | ≤ 1 % |
| Verfallquote | 0,7 % | ≤ 0,5 % |
| Reichweite (Ø) | 24 Tage | 14–21 Tage |
| Lagerumschlag | 11,5 pro Jahr | ≥ 12 |
| Bestandsgenauigkeit | 97,4 % | ≥ 98 % |
Die Ziele sind Beispielwerte – jedes Haus legt sie nach Artikelgruppe selbst fest. Im Beispiel passen hohe Reichweite und Verfall zusammen: Es liegt zu viel Ware, die zu langsam verbraucht wird.
Fünf Tipps aus der Praxis
- Kennzahlen nach Artikelgruppe trennen – OP-Material, Sterilgut und Büromaterial verhalten sich völlig anders.
- Mit einer ABC-Analyse die 20 % der Artikel finden, die 80 % des Werts ausmachen, und diese eng steuern.
- Stationsschränke mit Zwei-Behälter-Kanban versorgen, statt auf Anforderungen zu warten.
- Verfallsdaten bei der Einlagerung erfassen und nach First-Expired-First-Out kommissionieren.
- Kennzahlen monatlich auf einer Seite zeigen – mit Trend, nicht nur dem aktuellen Wert.
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