KeyOne — by Keywan Fakhri

Artikel · Gastronomie

Menu Engineering in Excel: Speisekarte nach Rohertrag optimieren

Menu Engineering zeigt, welche Gerichte Ihrer Karte beliebt und profitabel sind – und welche nur Platz kosten. Sie brauchen dafür nur zwei Zahlen pro Gericht: verkaufte Portionen und Rohertrag pro Portion.

von Keywan Fakhri, Wirtschaftsingenieur (M.Sc.), Konstanz · Aktualisiert: 16. Oktober 2026

Die Idee in einem Satz

Die Methode von Kasavana und Smith (1982) ordnet jedes Gericht nach zwei Fragen ein: Wird es oft bestellt? Bringt es pro Portion mehr Rohertrag als der Durchschnitt? Daraus entstehen vier Klassen.

  • Star – beliebt und ertragreich
  • Arbeitspferd – beliebt, aber wenig Ertrag
  • Rätsel – ertragreich, aber selten bestellt
  • Ladenhüter – weder beliebt noch ertragreich

Schritt 1: Zahlen je Gericht sammeln

Aus dem Kassensystem nehmen Sie die verkauften Portionen eines Monats. Aus der Rezeptkalkulation kommt der Wareneinsatz pro Portion.

Rohertrag pro Portion = Nettopreis − Wareneinsatz pro Portion

Schritt 2: Die zwei Schwellen berechnen

Die Beliebtheitsschwelle liegt klassisch bei 70 % des durchschnittlichen Menüanteils. Der Vergleichswert für den Ertrag ist der gewichtete Durchschnitt aller Gerichte.

Beliebtheitsschwelle = 0,7 × Portionen gesamt ÷ Anzahl Gerichte

Ø Rohertrag = Summe (Portionen × Rohertrag) ÷ Portionen gesamt

Beispiel: sieben Hauptgerichte in einem Monat

Insgesamt 1.040 Portionen bei 7 Gerichten: Schwelle = 0,7 × 1.040 ÷ 7 = 104 Portionen. Ø Rohertrag = 10,89 €.

GerichtPortionenRohertrag / PortionKlasse
Pizza Margherita2608,40 €Arbeitspferd
Spaghetti Carbonara22010,60 €Arbeitspferd
Cheeseburger19010,10 €Arbeitspferd
Wiener Schnitzel18013,70 €Star
Pilzrisotto8012,40 €Rätsel
Lachsfilet7016,00 €Rätsel
Gemüse-Curry407,90 €Ladenhüter

Das Schnitzel ist der einzige Star. Pizza, Carbonara und Burger tragen die Küche, verdienen aber unterdurchschnittlich. Lachs und Risotto lohnen sich, werden aber kaum bestellt. Das Curry ist ein Kandidat zum Streichen.

Schritt 3: Die Formel in Excel

Mit Portionen in Spalte B, Rohertrag in Spalte C und den Schwellen in F1 und F2:

=WENN(UND(B2>=$F$1;C2>=$F$2);"Star";WENN(B2>=$F$1;"Arbeitspferd";WENN(C2>=$F$2;"Rätsel";"Ladenhüter")))

Was tun mit jeder Klasse?

KlasseMaßnahme
StarQualität halten, auf der Karte prominent platzieren, Preis nicht senken.
ArbeitspferdPreis leicht erhöhen oder Portionskosten senken (Beilage, Lieferant).
RätselBesser beschreiben, besser platzieren, vom Service empfehlen lassen.
LadenhüterRezept überarbeiten oder von der Karte nehmen.

Typische Fehler

  1. Getränke und Hauptgerichte in einer Matrix vergleichen – besser je Kategorie auswerten.
  2. Mit Bruttopreisen rechnen – immer netto.
  3. Nur einen schwachen Monat betrachten – mindestens einen vollen Monat, besser ein Quartal.

Kostenlose Excel-Vorlage

Der Restaurant Profit Analyzer macht diese Auswertung automatisch: Matrix-Diagramm, Klassen und Empfehlungen pro Gericht, filterbar nach Kategorie und Monat.

Häufige Fragen

Woher kommt die 70-%-Regel?

Sie stammt aus der ursprünglichen Methode von Kasavana und Smith. Ein Gericht gilt als beliebt, wenn es mindestens 70 % des Anteils erreicht, den es bei gleichmäßiger Verteilung hätte.

Wie oft sollte ich Menu Engineering machen?

Vierteljährlich und vor jeder neuen Speisekarte.

Funktioniert das auch für Cafés und Imbisse?

Ja. Die Methode ist für jedes Sortiment mit festen Preisen geeignet, auch für Getränke- und Kuchenkarten.