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Artikel · Gastronomie

Wareneinsatz berechnen: Formel, Beispiel und Richtwerte für die Gastronomie

Der Wareneinsatz zeigt, wie viel Sie für die Lebensmittel ausgeben, die Sie tatsächlich verkaufen. Mit zwei einfachen Formeln wissen Sie, ob Ihre Preise passen – für den ganzen Betrieb und für jedes einzelne Gericht.

von Keywan Fakhri, Wirtschaftsingenieur (M.Sc.), Konstanz · Aktualisiert: 16. Oktober 2026

Was ist der Wareneinsatz?

Der Wareneinsatz ist der Wert der Waren, die in einem Zeitraum verbraucht wurden – also Lebensmittel und Getränke, die in verkauften Gerichten stecken, plus Verderb und Schwund. Er ist nicht dasselbe wie der Einkauf: Was noch im Lager liegt, zählt erst, wenn es verbraucht ist.

Formel für den ganzen Betrieb

Am Monatsende brauchen Sie drei Zahlen: Anfangsbestand, Einkäufe und Endbestand laut Inventur.

Wareneinsatz = Anfangsbestand + Einkäufe − Endbestand

Wareneinsatzquote = Wareneinsatz ÷ Nettoumsatz × 100

Rechenbeispiel

Ein Restaurant hat im Oktober folgende Werte (alle netto):

PositionBetrag
Anfangsbestand 1. Oktober4.200 €
Einkäufe im Oktober18.600 €
Endbestand 31. Oktober3.900 €
Wareneinsatz18.900 €
Nettoumsatz Speisen62.000 €
Wareneinsatzquote30,5 %

18.900 € ÷ 62.000 € = 30,5 %. Von jedem Euro Umsatz gehen also gut 30 Cent in die Waren.

Wareneinsatz pro Gericht – mit Ausbeute

Für die Preisgestaltung zählt jedes Gericht einzeln. Wichtig ist die Ausbeute: Beim Putzen geht Gewicht verloren, deshalb wird der Einkaufspreis durch die nutzbare Menge geteilt.

Kosten der Zutat = Menge × Preis je kg ÷ Ausbeute

Zutat (Wiener Schnitzel)MengePreisAusbeuteKosten
Kalbsschnitzel0,17 kg34,00 €/kg92 %6,28 €
Butter0,05 kg9,80 €/kg100 %0,49 €
Kartoffeln0,28 kg1,30 €/kg80 %0,46 €
Brot für Panade0,35 Stk.1,20 €100 %0,42 €
Ei, Mehl, Zitrone–––0,51 €
Summe pro Portion8,16 €

Bei einem Nettopreis von 21,90 € liegt die Quote bei 37,2 % – deutlich über einem Ziel von 30 %.

Verkaufspreis aus der Zielquote ableiten

Umgekehrt lässt sich der nötige Preis direkt berechnen:

Nettopreis = Wareneinsatz pro Portion ÷ Zielquote

8,16 € ÷ 0,30 = 27,20 € netto. Liegt dieser Preis zu hoch, helfen kleinere Portionen, eine günstigere Beilage oder ein anderer Lieferant.

Richtwerte

Als grobe Orientierung gelten in der Gastronomie: Speisen 28–35 %, alkoholfreie Getränke und Kaffee 10–20 %, gesamt meist 25–32 %. Entscheidend ist der Trend in Ihrem eigenen Betrieb: Steigt die Quote drei Monate in Folge, lohnt sich ein genauer Blick.

Fünf Tipps aus der Praxis

  1. Immer netto rechnen – Umsatz und Einkauf ohne Mehrwertsteuer.
  2. Ausbeute für Fleisch, Fisch und Gemüse einmal messen und eintragen.
  3. Einkaufspreise monatlich aktualisieren, nicht nur einmal im Jahr.
  4. Inventur immer am selben Tag zum Monatsende.
  5. Gerichte über der Zielquote zuerst prüfen – oft sind es nur zwei oder drei.

Kostenlose Excel-Vorlage

Der Restaurant Profit Analyzer rechnet Wareneinsatz pro Gericht mit Ausbeute, die Wareneinsatzquote je Monat und zeigt mit Menu Engineering, welche Gerichte Sie anpassen sollten.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Wareneinsatz und Einkauf?

Der Einkauf ist alles, was Sie gekauft haben. Der Wareneinsatz ist nur das, was verbraucht wurde – Bestandsänderungen werden herausgerechnet.

Gehört Verderb zum Wareneinsatz?

Ja. Weggeworfene Ware ist verbraucht und erhöht den Wareneinsatz. Gerade deshalb lohnt es sich, Verderb separat zu notieren.

Wie oft sollte ich den Wareneinsatz berechnen?

Monatlich für den Betrieb, bei jeder Preisänderung eines Lieferanten für die betroffenen Gerichte.